Immer wieder kommen Fälle von Misshandlungen durch Hundetrainer und Hundehalter ans Licht. Immer wieder wird
sichtbar, wie viel Gewalt, Druck und Machtausübung noch immer unter dem Deckmantel von „Hundetraining“ gerechtfertigt werden. Stimmen werden laut gegen das Mittelalter des Hundetrainings – und doch
bleibt vieles beim Alten, auch wenn es neu und modern erscheint.
Ich frage: Wann verlassen wir endlich das Hundetraining? Ja, richtig gelesen!
Wann hören wir auf, Hunde verbiegen und nach unseren Wünschen und Vorstellungen formen zu wollen?
Wann erkennen wir, dass sie keine Rohlinge sind, die optimiert werden müssen, sondern fühlende, soziale Lebewesen mit eigener Persönlichkeit?
Wann begreifen wir endlich, dass ein Hund nicht nur ein guter Hund ist, wenn er sich so verhält, wie wir oder die Gesellschaft es wollen?
Wann schätzen wir Hunde endlich so, wie sie sind, und kümmern uns wirklich um ihr Wohlbefinden – körperlich wie emotional?
Wann vertrauen wir wieder auf ihre großartige Fähigkeit, sich an uns und unser Leben anzupassen, wenn wir ihnen Sicherheit, Orientierung und Zeit geben?
Wann unterstützen wir sie, statt sie zu kontrollieren?
Wann hören wir auf, sie zu unterdrücken, um Gehorsam zu erzwingen?
Wann hören wir auf, Angst mit Respekt zu verwechseln?
Wann hören wir auf, Symptome zu bekämpfen, statt Ursachen zu verstehen?
Wann hören wir auf, natürliche Verhaltensweisen zu pathologisieren?
Wann hören wir auf, Beziehung durch Technik zu ersetzen?
Wann hören wir auf, unsere Ungeduld als Trainingsmethode zu tarnen?
Wann fangen wir an, unseren gesunden Menschenverstand zu nutzen – und unser Mitgefühl?
Wann hören wir wirklich hin, statt nur Anweisungen zu geben?
Wann erkennen wir, dass Vertrauen nicht trainiert, sondern gelebt wird?
Vielleicht beginnt all das in dem Moment, in dem wir aufhören, Hunde „machen“ zu wollen, und anfangen, ihnen zu begegnen.
Auf Augenhöhe. Mit Respekt. Mit Wertschätzung. Mit Neugier. Mit der Bereitschaft, auch uns selbst zu verändern.
Wann fangen wir endlich wieder an, mit Hunden zu leben – statt sie zu trainieren?
Text: Simone Mangold, Hundemenschencoach
beim Hundezentrum Rems-Murr - für einen verantwortungsvollen
und ethischen Umgang mit dem Hund